Lemonade ist manchmal sauer

5 Fragen, mit denen Sie prüfen können, ob die digitale Welt die Ihre ist.

Wir machen uns tagtäglich Gedanken darüber, ob und wie „das Internet“ oder die Digitalisierung eine ernstzunehmende Konkurrenz für uns als Versicherungsmakler darstellt.

Dazu haben uns heute zwei völlig gegensätzliche Artikel und Kommentare erreicht.

Lemonade on Friday

Lemonade ist ein digitaler Versicherer und versucht mit massiven Kapitaleinsatz neue Wege zu gehen. Mit FRIDAY gibt es seit einiger Zeit einen neuen Player in der Kfz-Versicherung. Ist das die Zukunft?

Darüber berichtet in einem interessanten Artikel der Versicherungsbote.

Natürlich lässt dazu die Reaktion einer der größten Maklergenossenschaften nicht auf sich warten. Kein geringerer als der Vorstandsvorsitzende der VEMA eG, Hermann Hübner nimmt äußerst kritisch zu den Produkten der Lemonade Stellung.

Den Kommentar finden Sie unter anderem bei experten.de

Wir möchten das Ganze ergänzen. Noch wichtiger als die hervorragenden Einlassungen von Hermann Hübner ist doch, dass ein Versicherer verlässlich ist und sein Leistungsversprechen erfüllt oder erfüllen kann. Wir haben bei dem ganzen Hype um die sog. InsureTecs oder FinTecs an dieser Stelle massive Zweifel. Highflyer, die mit wahnsinnigen Vorschusslorbeeren gestartet sind, sind wieder verschwunden oder durch fragwürdige Geschäftspraktiken auf- und dann ausgefallen.

Wir meinen: Versicherung ist immer noch Vertrauenssache und kein „probieren wir halt mal aus wie die Lemonade schmeckt“.

Trau schau wem.

FRIDAY – ein Unternehmen muss wirtschaftlich sein.

Geldgeber möchten mit ihrer Investition grundsätzlich Geld verdienen. Das ist soweit logisch. Nehmen wir das Beispiel FRIDAY – ein durchaus interessantes Kfz-Versicherungskonzept. Friday hat in einer neuen, aktuellen Finanzierungsrunde EUR 100.000.000 eingenommen. Also Geld, das verzinst irgendwann wieder zurück fließen muss. Das Unternehmen hat 15.000 Kfz-Versicherungspolicen im Bestand. Eine beachtliche Zahl? Nur auf den ersten Blick. Die Allianz hatte 2017 ca. 12,7 Mio. Verträge.

Schauen wir genauer hin und machen ein, zwei Milchmädchenrechnungen.

Schadenkosten-Quoten spielen eine wichtige Rolle.

Die Schadenkosten-Quote oder combined-ratio (CR) liegt in der Kfz Versicherung seit Jahren bei 98%. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das bedeutet, dass die Kfz-Versicherer für jeden Euro, den sie einnehmen, EUR 0,98 ausgegeben haben. Prüfen kann man dieses Aussage ganz leicht beim Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV).

Die combined ratio ist aber auch nur wieder positiv, weil die Beitragseinnahmen innerhalb von nur 6 Jahren von EUR 20,89 Mrd. auf EUR 26,95 Mrd. gestiegen sind, während die Schadenzahlungen (Leistungen) von EUR 20,44 Mrd. auf EUR 23,65 Mrd. gestiegen sind. Auf Deutsch: durch fette Beitragserhöhungen!

Um die läppischen EUR 100.000.000 aus 2% Gewinn wieder zurück zahlen zu können, muss FRIDAY im Prinzip einen Umsatz von EUR 5.000.000.000 (5 Milliarden) machen. Zinsen, also die Rendite für die Investoren, sind da noch nicht eingerechnet. Und das mit 15.000 Verträgen? Gut, es könnten noch mehr werden.

Wir können das auch anders rechnen: die Investoren wollen nach 10 Jahren ihr Geld unverzinst zurück – damit wir das einfacher rechnen können. Das bedeutet im Schnitt einen Umsatz von EUR 500.000.000 pro Jahr. Die gesamte Branche nimmt EUR 26,5 Mrd. pro Jahr ein. D.h. FRIDAY braucht je EUR 100.000.000 Finanzierung einen Marktanteil von 1,89%. Die Rechnung ist immer noch unverzinst.

Marktanteile werden ungern abgegeben

Die Allianz hatte 2017 einen Marktanteil von 12,11%, die HUK hat 6,86%, die AXA 5,05% und die VHV 4,87% (Quelle: versicherungsbote).

Rechnen wir es weiter schlecht. Wenn Friday tatsächlich mit einem Kapital von EUR 146 Mio. ausgestattet wäre, bräuchte man einen Marktanteil von mind. 2,75% – oder in Verträgen geschätzte 135.000. Davon ist FRIDAY weit entfernt.

Bevor uns die Kollegen von FRIDAY aber nun auf die Finger klopfen: ja, es ist alles spekulativ. Ja, natürlich seid Ihr der erste und beste Versicherer neben der VHV, der eine CR von unter 87% erreicht – und zwar locker. Wer die Regulierungspraxis der VHV mal im ungünstigeren Fall erlebt hat … aber das ist ein anderes Thema. Nur wie und warum soll ausgerechnet ein junger wilder Neuling das besser hinbekommen als die renommierten Versicherer und zwar so deutlich und über Jahre? In der Kfz-Versicherung? Wir warten es ab.

Oder sollen wir spekulieren, wie man am besten Kosten drückt? Durch Digitalisierung ist man knapp 10% günstiger. Sicher, man spart ja am Vertrieb, aber nicht an der Werbung. Oder doch durch eine restriktivere Schadenregulierung? Wir schreiben hier lieber nicht weiter, bevor wir was zurück nehmen müssen.

Frage: wie lange hält ein Kapitalgeber still, bis er sein Investment zurück verlangt?

Zurück zur Limonade. Der Name ist vermutlich mit Bedacht gewählt, aber auch hier möchten wir nicht spekulieren. Die Kollegen der VEMA haben inhaltlich, also die Leistungsseite – nur oberflächlich – besprochen und sind bereits auf viele Fallstricke gestossen.

Aber auch hier gilt. Ein Investor will am Ende Geld sehen! Auch hier gilt: wie will ich eine vernünftige combined ratio erreichen, die ja deutlich besser sein muss als die renommierter Versicherungsunternehmen mit hohem Eigenkapital? Vor allem bei den vollmundigen Versprechen, was mit dem Beitrag noch alles gemacht werden soll.

Liebe Versicherungskunden und diejenigen, die es werden wollen. Versicherungen kann man nicht anfassen. Ein Versicherungsprodukt basiert darauf, dass man darauf vertrauen kann, dass ein Leistungsversprechen erfüllt wird.

Unser kostenloser Tipp: stellen Sie sich die 5 folgenden Fragen.

  1. Ist der Versicherer langfristig dazu in der Lage, sein Leistungsversprechen zu erfüllen oder muss er nicht doch zuerst die Interessen der Investoren befrieden?
  2. Will ich blind darauf vertrauen, dass die Versicherungsbedingungen schon irgendwie passen werden oder möchte ich das doch lieber von einem erfahrenden Experten prüfen lassen?
  3. Bin ich so 08/15, dass digitalierte Standard-Produkte zu mir passen?
  4. Bin ich selbst dazu in der Lage, als Experte meine Versicherungsangelegenheiten im Schadenfall zu regeln?
  5. Will ich mich mit Chat-Bots also Robotern unterhalten, wenn ich ein Problem habe? Oder ist mir der Mensch dann doch irgendwie lieber – selbst wenn ich ihn nur mal anschreien muss, um Dampf abzulassen?

Zusammenfassung: Digitalisierung und Automatisierung sind wichtig und machen Versicherungsprodukte günstiger und manchmal in der Abwicklung auch besser.

Grundsätzlich wird es aber immer so sein, dass es Menschen gibt, die erfolgreicher mit diesen Prozessen der verschiedensten Versichererer umgehen können, weil es ihr tägliches Brot ist. Diese Menschen nennt man Versicherungsmakler.

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