Thema Kulanz: als Versicherungsmakler müssen wir natürlich auch die eine oder andere Ablehnung einer Schadenzahlung an unsere Mandanten übermitteln. Es ist wie es immer ist im Leben. Manche Ablehnungen sind nachvollziehbar, andere nicht. Fragen Sie meine 6-jährige Tochter.

Auch für den Endkunden ist das nicht immer leicht nachvollziehbar, wenn ein Schaden nicht bezahlt wird. Vor allem dann, wenn Emotionen im Spiel sind.

Häufig werden die folgenden Fragen in genau dieser Reihenfolge gestellt:

  1. Wozu habe ich dann eine Versicherung, wenn die eh nie zahlt?
    Manchmal hilft dann ein Blick in die Schadenstatistik des Kunden.
  2. Kann man da nichts machen? Gibt es keine Kulanz?
    Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: „Nein. Es gibt keine Kulanz“!

Wenn Sie jetzt aufhören zu lesen, verpassen Sie allerdings die wichtigste Information.

Die Anfrage zur Kulanz oder schlicht und ergreifend: Anstiftung zur Veruntreuung von Kundengeldern.

Jeder Versicherer, jedes Versicherungsunternehmen hat die Verpflichtung mit Kundengeldern sorgsam unzugehen und diese nicht sinnlos zu verschleudern.

Für einige männliche Vertreter unser Zunft – und damit sind in diesem Fall tatsächlich und bewiesen die Versicherungsvertreter gemeint – ist das natürlich ein Tiefschlag. Angeblich gibt es keine Sex-Parties mehr, keine Incentives, keine vertrieblichen Anreize. Aber das ist ein anderes Thema.

Verhandlungen auf Augenhöhe: Kulanz ist keine Frage der Interpretation.
Verhandlungen auf Augenhöhe: Kulanz ist keine Frage der Interpretation.

Also: Versicherer müssen sorgsam mit Kundengeldern umgehen. Dazu gehört es, dann man alle Kunden gleich behandelt. Wenn ein Schaden nicht versichert ist, dann ist er eben nicht versichert. Und Punkt.

Wenn ein Allianz-Vertreter oder irgendein anderer Vertreter nun mit dem Scheckbuch umherlaufen würde und seinen Liebliungskunden jeden Schaden bezahlen würde, auch wenn er nicht versichert wäre. Dann würde die Allianz andere Kunden benachteiligen, denen ein nicht versicherter Schaden nicht auf Kulanz entschädigt würde.

Klartext: wir kennen keine Allianz-Vertreter, die so mit dem Scheckbuch herumlaufen. Also ist das rein hypothetisch, um es etwas plastischer zu haben. Statt Allianz könnten man auch ERGO, Aachen Münchener oder jede andere Versicherung schreiben.

Aber man hört doch immer wieder von Kulanz!

Sicher. Wir haben gelernt, dass Versicherungsunternehmen dazu verpflichtet sind, sorgsam mit Kundengeldern / Versicherungsbeiträgen umzugehen, und: sie müssen alle Kunden gleich behandeln. Man spricht hier gerne von der Versichertengemeinschaft.

Das ist auch gut so: schließlich würde man ja Kundengelder verschleudern und am Ende müsste man die Beiträge erhöhen. Und wer schimpft dann? Richtig, die Versichertengemeinschaft.

Wenn Sie nun einen Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmens zu einer Kulanzzahlung auffordern würden, dann ist das ganz streng genommen eine Anstiftung zur Veruntreuung von Kundengeldern. Die Untreue stellt im deutschen Strafrecht einen Straftatbestand dar (§266 StGB). Die Anstiftung dazu übrigens auch.

Was wir als Versicherungsmakler für Sie tun!

Wir prüfen im Rahmen dessen, was wir dürfen (Stichwort: Rechtsdienstleistung), ob ein Schaden ein versicherter Schaden ist oder nicht. Dazu machen wir in der Regel nichts anderes als die Versicherungsbedingungen zu lesen.

Manchmal muss man sie einem Schadensachbearbeiter auch vorlesen. Denn bei der Vielfalt von Versicherungsbedingungen, kann man nicht davon ausgehen, dass alle Bedingungen bekannt sind. Menschen machen schließlich auch mal Fehler.

So ist es doch häufiger so, dass wir uns gegenüber einem Versicherungsunternehmen nicht immer ganz so „kulant“ zeigen, sondern mit Vehemenz auf die Einhaltung von vertraglichen Vereinbarungen bestehen. Das im Namen und im Auftrag unserer Mandanten.

Vorteil: Versicherungsmakler

Wir müssen nicht die Interessen eines Versicherungsunternehmens vertreten. Sondern wir sind der Vertreter unseres Mandanten, des Versicherungsnehmers.

Vorteil: Erfahrung

Wir lassen uns nicht jede Ablehnung gefallen. Wir haben einen Riecher. Im Kollegennetzwerk pflegen wir einen regen Erfahrungsaustausch. Und wir kennen den einen oder anderen Trick der Versicherungsunternehmen.

Selbstverständlich gibt es Schäden, bei denen es nicht immer zu 100% klar ist, ob der Versicherer bezahlen muss oder nicht. Und sicherlich gibt es auch Punkte, bei denen Kosten nicht oder nur teilweise übernommen werden. Da könnte man streiten oder es lassen.

Erzielt man eine Einigung zwischen Versicherungsunternehmen und Versicherungsnehmer ist das keine Kulanz.

Ergo: sollte Ihnen im Beratungsgespräch irgendjemand erzählen: „Dann machen wir das auf Kulanz.“ Dann verlassen Sie bitte den Raum und schließen Ihre Versicherungsverträge wo anders ab. Egal wo. Denn steigende Prämien, Untreue und Ungleichbehandlung braucht niemand.

Aber unter uns: das Wörtchen Kulanz hat sich irgendwie schon eingebürgert. So, dass man es an der einen oder anderen Stelle recht unbedacht verwendet. Kulanz als Verkaufsargument zu verwenden ist jedoch ein absolutes „No-Go“.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: